Titel

 

Geschichten 4.1

 

Fortsetzung Studienfahrt ins Saarland

 

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In Jägersfreude beherrschten die Fördertürme das Bild der Landschaft. Als wir zum Bergwerk gelangten, stand unsere Führung schon bereit. So konnten wir gleich mit der Besichtigung beginnen.Wir fingen zunächst mit dem Wasch- und Umkleideraum an. “Halt!”, schrie der Pförtner, “ da sind ja Mädchen dabei, die dürfen nicht hinein”.  Also mussten  sie draußen warten, und wir gingen . . .

 

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. . . hinein. Jeder Arbeiter hängt seine Kleider an eine Kette und zieht sie dann hoch zur  Decke. Eine trockene und sichere Aufbewahrung.

Sodann gings in den Lampenraum. Der Hauer hat seine Lampe am Helm befestigt und so kann er vor Ort gut sehen. Im Maschinenraum für die Förderanlage herrschte peinlichste Sauberkeit. Eine Fördermaschine wurde mit Elektrizität betrieben, die andere mit Dampfkraft.

Am Förderschacht standen die “Hunde” und warteten auf ihre Ladung. Von hier aus stiegen wir einige Stufen hoch und . .

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. . . erreichten die Kohlenwäschrei. Auf Förderbändern lagen große und kleine Kohlen gemischt durcheinander. Die Trennung derselben erfolgte in großen Sieben, dann gings ins Wasser, aus welchem die schwarzen Kohlen sauber herauskamen. In besonderem Verfahren wird der Magnetismus aus den Kohlen gezogen. Unter uns reihte sich Kohlenwagen an Kohlenwagen zu einem langen Zug zusammen.

Der Tag ging langsam zur Neige und wir setzten uns noch in die Bergwerkskantine um einen kühlen Trunk einzunehmen. Man trank Bier oder Coca-Cola. Das Bier kostete hier ja nur 18 ffr.   Inzwischen war nun schon die Nacht hereingebrochen und wir machten uns auf den Rückweg nach Saarbrücken.Nach einem kurzen Abendspaziergang gingen wir dann bald ins Bett, denn erstens hatten wir eine Fülle neuer Eindrücke zu verdauen und zweitens hatten wir uns für den nächsten Tag wieder viel vorgenommen. Hans-Hermann Kiltz wurde damit beauftragt, am nächsten Morgen unsere Mädchen zu wecken.

 “Ich werde es wie bei Dornröschen machen und sie mit einem Kuss wecken”, prahlte er und freute sich sehr.   Wir schliefen bald ein.

 

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Dienstag, den 17. September 1957

Die ganze Nacht hatte es geregnet. Am Morgen heiterte es sich etwas auf.     Hans-Hermann tat seine Pflicht, aber nicht wie er sich vorgenommen hatte. Er begnügte sich mit dem an die Türe klopfen. Unser erstes Ziel für heute war die Saarschleife. Von der Clöff aus hatten wir eine schöne Sicht auf die Saarschleife.

Unsere Mami hatte immer sehr  Angst,   wenn sich eines ihrer Kinder auf die Brüstung stellte.

 

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Nach eingehender Besichtigung gingen wir wieder zu unserem Omnibus und legten noch eine kurze Vesperpause ein.

 

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Nun kam das Saarkraftwerk bei Mettlach an die Reihe. Der Werkleiter erzählte uns  sachlich und klar von der Herstellung und dem Wert der Elektrizität.

Interessant war dir große Schalttafel mit den vielen  Messinstrumenten.  Dann die drei riesenhaften Generatoren, die sich unermüdlich drehen.

Von hier fuhren wir nun wieder nach Mettlach zurück, wo wir auch zu Mittag . . .

 

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. . . aßen. Um 14:00 Uhr besuchten wir die dortige Keramikfabrik. Es bot sich allerhand schönes und interessantes. Bemerkenswert war das unendlich   lange . . .

 

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. . . Fließband, an dessen beiden Seiten eine lange Reihe junger Mädchen und Frauen saß. Jede Person hatte nur einen bestimmten Handgriff oder einen Pinselstrich zu tun.So wird aber der Mensch zur Maschine, da ihm jegliche geistige Arbeit fehlt. Wir gehen der Zeit gehorchend weiter. Zeit, Zeit!  Was ist Zeit? Sie ist nichts festes, kein greifbarer Körper, den wir nach unserem Willen wenden und drehen können. Zeit ist etwas geheimnisvolles,etwas grauenhaftes. Sie kennt kein Erbarmen. Unaufhaltsam schreitet sie vorwärts. Eine Ruhepause gönnt sie sich nicht und keinem Menschen. Sie kämpft um jede Zehntelsekunde, sie wird nicht müde. Oh Zeit! - Was würde manch einer geben, um das Rad der Zeit auch nur für eine Sekunde anzuhalten. Eine  Minute  länger,  macht das so viel aus? Oh Zeit, sei nicht so krass und unbarmherzig! - Doch alles in der Welt hat seinen bestimmten Zweck. Vielleicht hat die Zeit den Zweck, dem Menschen klar zu machen, dass seine Zeit auf Erden beschränkt ist und einmal ablaufen wird. Aber es wird auch die Zeit kommen, wo es keine Zeit mehr gibt, wo es nur noch ein dauerndes Sein oder Nichtsein gibt. Unser Bus fuhr weiter. Bäume, Häuser, Wiesen, . . .

 

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. . . Felder, Hügel und Täler wechselten einander ab. Gegen Abend kamen wir in Tholey an. Unser Gepäck stellten wir in die Jugendherberge und begaben uns zur gotischen Kirche.

Wir traten ein. Eine ergreifende Stimmung.

Die Mönche des naheliegenden Klosters hielten das Stundengebet.

Nach dem Abendbrot begaben wir uns in die gotische Klosterschenke und versuchten den guten Wein, der die Stimmung etwas hob. Der Abend in Tholey wurde zum schönsten der ganzen Studienfahrt.

 

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Mittwoch, den 18. September 1957

Der letzte Tag war herangekommen.  Lutz Haushahn und ich standen um 05:00 Uhr auf, um das Stundengebet der Mönche nicht zu versäumen. Es war noch dunkel, wie wir gingen, und ein warmer Föhn umwehte uns. Wie wir zurückkamen, standen auch schon die anderen allmählich auf.

Wir frühstückten, wuschen das Geschirr ab und machten uns wieder zur Abfahrt fertig. Homburg und die Karlsbergbrauerei waren unsere letzte Besichtigungsstätte.   Zuvor hielten wir noch in St. Wendel, um die herrliche Kirche zu besuchen.

 

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In Homburg besichtigten wir die Karlsbergbrauerei eingehendst. Wir konnten alle Vorgänge vom Hopfen und Malz bis zum fertigen Bier in der Flasche oder im Fass verfolgen.

Die automatische Flaschenabfüllerei war das reinste Heinzelmännchenspiel. Die leeren Flaschen kamen auf Förderrollen angehüpft, ließen sich ihren Bauch füllen, bekamen Hütchen    aufgesetzt und Etiketten aufgeklebt. Die Fassabfüllerei wird noch mehr mit  Hand betrieben. Die Besichtigung war zu Ende.

Unser Führer sagte: “Dr. Weber lädt Sie jetzt noch zu einem kleinen Imbiss in den Homburger Hof ein”.

Wir nahmen die Einladung gerne an und fuhren

zum Homburger Hof.

 

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Wir wurden zu einem kleinen Imbiss eingeladen.

Wir stellten uns vor es würde nun vielleicht ein Wurstbrot und Bier geben.

Mal abwarten! Wir stiegen zwei Stufen empor. Eine Tür öffnete sich, noch eine und wir standen in einem eleganten und gemütlichen Hotelzimmer. Eine lange Tafel war gedeckt. Zuerst wussten wir nicht. ist es nur ein Traum oder Wirklichkeit.      Wir aßen und tranken nach Herzenslust. Es gab Wiener Schnitzel, Pommes frites, Salat und jede Menge Karlsbergbier.

Es war ein fröhliches Beisammensein.

Leider konnte der Betriebsleiter nicht dabei sein und unsere erstaunten Gesichter sehen.

Nach tüchtiger Stärkung verließen wir auch auch auch diesen Ort und fuhren . . .

 

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. . . nach Blieskastel, dem Heimatort von Jürgen Henkel. Unsere Stube Ziegelei war bei seinen Eltern zum Mittagessen eingeladen. Genießerisch verbrachten wir die letzten Stunden der Studienfahrt.     

Das Wetter lachte mit uns, wir fuhren aber weiter. Die Sonne hatte bald ihr Tagewerk vollbracht und zog sich hinter die Vogesen zurück.Sie wechselte ihre gelbe Robe und zog ihr rot schimmerndes, weitwallendes Abendkleid an.                                               Die Dämmerung folgte ihr auf den Spuren.

 

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In Straßburg hielten wir uns noch eine Stunde auf, um, uns durch die engen Gässchen schlängelnd, ein Café aufzusuchen oder noch einmal die Taschen mit den so billigen Zigaretten zu füllen.

Im Scheine der hellerleuchteten Stadt fuhren wir nun von dannen.

Der Rhein kam näher, die Stadt blieb hinter uns.

Jenseits des Rheins tankten wir noch einmal, dann ging es wieder den Schwarzwald hinauf. Das Tal wurde immer enger, die Berge höher; Scheinwerfer rückten näher und verschwanden wieder. Der Verkehr war . . .

 

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. . . ziemlich rege. Kurz hinter Gutach hielten wir noch einmal, um eine kleine Zigarettenpause einzulegen. Langsam ging es wieder Königsfeld entgegen. Hinter dem Wald waren schon die ersten Häuser zu sehen. An der Kreuzung bogen wir nach   links. Noch einige Sekunden dauerte der herrliche Traum der Studienfahrt.

Der Wagen bremste, das Licht ging an, wir standen vor der K. A.

Wir verabschiedeten uns und waren wieder im grauen Alltag; aber es war gar nicht mehr so grau, denn wir hatten uns immer noch viel Schönes von der Studienfahrt zu erzählen.

Es war ein Erlebnis, das wir wohl nicht so schnell vergessen werden.

 

* * * * *

 

 

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 Hans Hermann Kiltz, Ingrid Zeigermann, Andreas Kautzsch, Erika Luther, Michel Heinrich, Neithard Clemens (Löli), Lutz Haushahn,

 Ingrid von Knobloch, Jürgen Henkel, Claus Oehring, Georg Winter, Gunter Gräfe, Victor .... , Jens Brandenburg, Wolfgang Schmidt,

 Herbert Viehl, Ursel Blickle

 

 

Donnerstag, 4. Januar 2018