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Geschichten 4

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Haus Spangenberg - genannt KA (Knabenanstalt) in Königsfeld / Schwarzwald - Hier lebte ich von 1957 - 1960

Studienfahrt ins Saarland

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Für alle die der Deutschen Schrift nicht mächtig sind, folgt jeweils nach dem Bild die Übersetzung in den heute üblichen lateinischen Buchstaben.

© Friedrich Schopferer 01/2012

 

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Samstag, den 14. September 1957

 

Am Samstagnachmittag, 16:00 Uhr, fuhren wir, nachdem wir unsere letzten Vorbereitungen getroffen hatten, mit einem Omnibus von Fuchs und Lerch unter Leitung von Bruder Kunig und Bruder Fischer von hier ab.

Die Aufgabe unserer Studienfahrt war, das Saargebiet etwas genauer kennen zu lernen.

Unser Bus ließ manches zu wünschen übrig. Die Federung war nicht mehr ganz in Ordnung, die Sitze unbequem, kurz, es war ein typischer Linienbus. Aber diesr Zustand sollte nicht lange dauern. In Ortenberg tauschten wir unser altes Gefährt gegen einen schönen großen Wagen ein.Während des Aufenthalts bildeten sich kleine Grüppchen, die heimlich rauchten.War es denn erlaubt oder nicht? Wir wussten es nicht. Plötzlich kam Bruder Kunig herbei und, wie von einer übernatürlichen Gewalt gezwungen, verbargen alle Ihre Zigaretten. Doch zu spät! Bruder Kunig .....

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... hatte bereits alles gesehen. Er erleichterte unser Gewissen, indem er darauf die Erlaubnis zum Rauchen aussprach. Im neuen Wagen fuhr es sich nun viel besser und fröhlich setzten wir unsere Fahrt fort. Unser Ziel für diesen Tag war Kehl. Dort richteten wir uns in der  Jugendherberge ein und verzehrten unser Abendbrot. Einige von uns ließen sich vom Wahlspruch leiten: “Nach dem Essen sollst Du stehn oder tausend Schritte gehn”, andere zogen es vor in der Jugendherberge zu bleiben. Ich zog das erste vor. Wir gingen dem pappelbestandenen Rheinufer entlang, um dann in die Stadt einzubiegen. Die Pappeln berichteten uns manches Schicksal, das ihnen der ewigströmende Vater Rhein erzählt   hatte.  Da es regnete erhielt das Stadtbild eine ganz besondere Note. In den einzelnen Regentropfen spiegelte sich die hellerleuchtete Stadt. So ergab sich ein prächtiger Regentropfentanz und glich einer Symphonie in Gold.  20:45 Uhr meldeten wir uns pünktlich bei Bruder Kunig zurück.

Nach einer kurzen Besprechung über den Verlauf des folgenden Tages verabschiedeten wir uns und gingen ins Bett. Noch eine kleine Plauderei und wir schliefen ein.

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Sonntag, den 15. September 1957

Die Strahlen der aufgehenden Sonne hatten über die Nacht gesiegt. Ein Wecker rasselte. “Guten Morgen, bitte aufstehn”.

 

Man gähnte, uah, noch zehn Minuten. Im Waschsaal war großer Betrieb. Dann kam das Frühstück; die Brote für den Tag wurden gerichtet und der Schlafsaal gründlich gereinigt und geschruppt. Einige hatten sich bereits in den Omnibus gesetzt, um sich den  “Jazz am Morgen”    anzuhören.  Andere mussten noch schnell eine Zigarette rauchen. - “Jedem Tierchen sein Pläsierchen”.

 

“Bitte setzt euch mal hin, zwei, vier, sechs, alle da, dann können wir abfahren. Wir mussten noch durch ganz Kehl fahren, um eine Dieseltankstelle zu finden. Aber wer sucht, der findet. An der Grenze gab es keine Schwierigkeiten. Die Passkontrolle ging durch den Wagen.

Alles war in Ordnung. “ Merci. Aurevoir. Bon voyage”.

Wir fuhren durch Straßburg und weiter dann ins lothringische Gebiet.

 

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In Phalsburg, einer kleinen Stadt in Lothringen besichtigten wir die gotische Kirche.

Es war ein kalter Morgen. Ein warmer Mantel konnte auch nicht mehr helfen.

So gingen wir zu dritt in das Gasthaus   “Au cheval noir” und tranken einen Kaffee.

Das wärmte nun von innen heraus. Von hier aus steuerten wir unserm Ziele zu. Das Saarland war nicht mehr weit.

Das Saargebiet liegt südlich vom Hundsrück als ein sanft gewelltes Hügelland, das von breiten Tälern durchzogen ist.

Es ist in der Hauptsache aus . . . . . 

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. . . Karbon aufgebaut mit ausgedehnten, teilweise bis an die Erdoberfläche produktiven Steinkohlenflözen, Rotliegendem, Porphyr, Melaphyr, Buntsandstein und Muschelkalk. Das Land ist gut angebaut. Eine viel größere Rolle aber spielt die Industrie bzw. der Steinkohlenbergbau zwischen Neunkirchen und der Saar, der auch die süddeutsche Industrie versorgt.

Die Saarkohle ist wegen zahlreicher Verwerfungen nicht leicht abzubauen, lohnt aber die Förderung durch ihre Güte.

Außer dem Kohlenbergwerk sind wichtig die Eisenindustrie, die hauptsächlich lothringische Eisenerze verarbeitet, in Neunkirchen, Saarbrücken, Völklingen, Dillingen, Homburg und St. Ingbert, die Maschinenindustrie in Saarbrücken, die Glasindustrie in St. Ingbert und die Herstellung von Steingut in Mettlach. So gehört das Saargebiet zu den bedeutensten Industriegebieten Mitteleuropas. Saarbrücken in Sicht! Wir fuhren durch einen Teil der Stadt dem Theater zu. Bis 14:00 Uhr war Freizeit. Wir aßen unsere Brote und prominierten durch den Park zum Ufer der Saar hin, wo die kohlenbeladenen Kähne lagen, um sich für die weitere Fahrt tüchtig auszuruhen.

Neptun und seine Gefährtinnen ruhten auch. Das Wasser . . .

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. . . ging ruhig seinen gewohnten Gang.

Ha, was ist auch das, hier hats ja auch einen Kinderspielplatz!

Ist eigentlich spielen nur etwas für Kinder unter zehn Jahren?

Nein natürlich nicht.

Also, dann schnell aufs Karussell! Oder wie wärs mit einer kleinen Kletterparie?

Dazu sagten unsere großen Kinder nicht nein.

Der Uhrzeiger rückte langsam auf 14:00 Uhr.

Unter Führung von Herbert Viehl traten wir unseren Stadtbummel an.

Im Museum betrachteten wir Gemälde moderner Künstler.

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Von der Ludwigskirche gingen wir weiter

 zum Barockschloss Saarbrücken.

 

Herrlich ist der Blick vom Schlossgarten auf die Saar.

 

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Was gibt es denn da oben schönes zu sehen? Den Turm der Ludwigskirche. Die Ludwigskirche ist eine herrliche Barockkirche.

Leider konnten wir uns wegen Renovierung ihr Inneres nicht ansehen.

“Einfach prächtig”, erklärt Bruder Kunig.

 

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Um 16:00 Uhr erwartete uns der Omnibus, um uns nach St. Arnual zu bringen.

Der dortige evangelische Pfarrer begrüßte uns freundlichst, und der Küster erzählte uns ausführlich die Geschichte der alten gotischen Stiftskirche.

 

Turm und Außenansicht.

 

Das Innere.

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Der Abend brach langsam an, und so sahen wir uns gezwungen, wieder die Jugendherberge aufzusuchen.

Sie lag schön auf einer kleinen Anhöhe und war auch sauber und wohnlich eingerichtet.

Nach dem Abendessen beschlossen Bruder Kunig und Bruder Fischer mit uns in den Ratskeller zu gehen, um dort den guten Moselwein zu probieren.

Ich zog es vor, mir die nähere Umgebung der Jugendherberge anzusehen.

 

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Montag, den 16. September 1957

Für den heutigen Tag war die Besichtigung der Burbacher Hütte und des Kohlenbergwerkes “Jägersfreude” vorgesehen, deshalb hieß es früh aufstehen.

Mit unserem Bus durch die Stadt zu kommen war nicht einmal leicht.

Vom Bahnhof her wälzte sich ein breiter Arbeiterstrom.

Dieses Treiben glich einem großen

Bienenhaus, in dem alles seine Aufgabe zu erfüllen sucht.

Doch unser Fahrer verstand es fabelhaft, unsere fahrbare Wohnung zur Burbacher Hütte zu steuern.

Der Rauch, die Kamine, die Hochöfen, die Gerüste und Arbeiter kamen immer näher.  An der Pforte mussten wir zunächst warten, bis . . .

 

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. . . alles geregelt war. Da es nun aber in einem Hüttenwerk nicht ganz ungefährlich ist, mussten wir einen Bogen unterschreiben, auf dem zu lesen war, dass, wenn etwas passieren sollte, alle Erben  keinerlei  Anspruch  erheben können. Nach diesen Formalitäten drangen wir nun unter einem guten Führer in das Innere des Hüttenwerkes ein. Es ist nur sehr schade, dass wir den Fotoapparat im Bus lassen mussten. Hier gab es nämlich die Fülle der schönsten und ergreifendsten Motive. Auf schmalen und steilen, mit Ruß bedeckten Stahltreppen stiegen wir immer höher. Unten fuhr eine Lokomotive vorbei, eine Sirene heulte, Arbeiter gingen auf und ab, Flammen fraßen Kohlen, rohes Eisenerz kam, fertiges Gusseisen und Stahl verließen, aufatmend von den erlittenen        Qualen, das Werk, neuen Abenteuern entgegen.                       

Indes waren wir in der Kokerei angelangt. Es war sehr heiß hier. Ein feurig glühender Rachen öffnete sich und spie roten Koks. Einige starke Männerhände regten tief und öffneten alle Wasserhähne.

Das frische Kühl ergoss sich mit großer Wucht auf den noch immer glühenden Koks, welchselbiges diese Erfrischung nicht wohltuend empfand, sondern laut zischte und als Zeichen seiner Erregung mächtige Dampfwolken aussandte. Von hier aus ging es wieder etliche . . .

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. . . Stufen abwärts. Ein Kran brachte wieder neue Ladungen zur Verarbeitung. Jetzt endlich standen wir vor einem Hochofen. Mächtige Wasserrohre umgaben ihn. Was mag wohl in dem überdimensionalen Bauch vor sich gehen. Noch zwanzig Minuten, dann sollte der Abstich gemacht werden. Erwartungsvoll folgten wir den letzten Vorbereitungen, die noch zu treffen waren. Wie klein und unscheinbar ist doch der Mensch neben einem solchen Bauwerk!

Und doch ist er Herr über diese Gebilde. Ist es der Mensch allein, der es erschafft mit seiner Hand und Kraft? Ich glaube nicht. Der Mensch ist vielmehr nur ein Mittel, ein Werkzeug eines höheren Schöpfers.

Eine Glocke ertönte. Nun war es soweit. Alles in Ordnung. Drei Männer in Asbest gehüllt - ihre Züge waren straff und verrieten eine harte Arbeit - standen nun vor  dem  Hochofen  mit  langen Stahlstangen, um die feurigen Massen zu befreien. Eine Stange bohrte sich eine kleine Öffnung im Ton, und schon sprühten kleine Funken heraus gleich Kobolden, die die neue Welt auskundschaften wollen.  Die Öffnung wurde größer und schwer floss das flüssige Eisen in seinen dafür bestimmten Behälter.

Wir schauten noch einige Zeit dem fröhlichen Funkentreiben zu. Dann ging es von hier wieder weiter zur Thomasbirne, der Stahlher- . . .

 

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. .  . stellung. Das flüssige Stahl kam in große rechteckige Behälter. In glühendem Zustand legte ein Kran die Stahlblöcke  auf  die  Bahn  des Walzwerkes. Dort wurde aus einem einfachen Stahlblock eine schöne lange Eisenbahnschiene. Dies war der Morgen des Tages. Wir verließen diesen Ort des Lärmes und fuhren durch in ein kleines Waldgasthaus, wo wir unser Mittagsmahl einnahmen.   

Wir machten noch einen kleinen Waldspaziergang und fuhren dann um 15:00 Uhr in Richtung “Jägersfreude”.

 

Tierpark

Saarbrücken

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Nun folgt noch die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine von heute:

 

ComBib wie Computer-Bibel - formatierbare Losung

 

Donnerstag, 4. Januar 2018